Bürger Bündnis Oldenburg
Positionspapier: Verkehr, Mobilität & ÖPNV
Kommunalwahl Oldenburg · 13. September 2026 · Stand: Juni 2026
Mobil – mit Verstand
Mobilität ist keine Frage der Weltanschauung. Sie ist Daseinsvorsorge. Wer in Oldenburg lebt, wer hierher kommt, um einzukaufen, zum Arzt zu gehen, zur Arbeit zu fahren oder Freunde zu besuchen, braucht verlässliche Wege in die und durch die Stadt. Das gilt für den Radfahrer ebenso wie für die Rentnerin, die mit dem Bus kommt, und für den Handwerker, der mit dem Auto in die Stadt muss.
Das Bürger Bündnis Oldenburg lehnt eine Verkehrspolitik ab, die den privaten Pkw aus ideologischen Gründen verdrängt, ohne belastbare Alternativen bereitzustellen. Wer Parkplätze abbaut, Gebühren erhöht und Zufahrten erschwert, ohne dass ein funktionierender ÖPNV als echte Alternative zur Verfügung steht, schadet dem Einzelhandel, dem Gewerbe und der Attraktivität unserer Stadt.
1. Oldenburg als regionaler Magnet – Erreichbarkeit ist kein Luxus
Oldenburg ist Oberzentrum. Die Stadt ist Anlaufpunkt für Menschen aus dem Ammerland, der Wesermarsch, Friesland und weiteren Regionen. Sie kommen zum Einkaufen, zum Arzt, ins Theater, zu Behörden – und tragen mit ihrem Besuch erheblich zur wirtschaftlichen Lebendigkeit Oldenburgs bei.
Dieser Magneteffekt hängt unmittelbar daran, ob es attraktiv und zumutbar ist, nach Oldenburg zu kommen. Eine Stadt, die es ihren Besuchern durch verknappte Parkplätze, hohe Gebühren und unzuverlässigen ÖPNV schwer macht, verliert diese Menschen mittelfristig an andere Standorte.
- Oldenburg muss bequem, schnell und sicher erreichbar bleiben – mit dem Auto, dem Fahrrad und dem ÖPNV
- Erreichbarkeit aus dem Umland ist kein Zugeständnis an Autofahrer, sondern wirtschaftliche Lebensgrundlage einer lebendigen Innenstadt
- Kooperationen mit Umlandgemeinden und dem Landkreis, um Pendlerverkehre intelligent zu gestalten
- Die Probleme an der Nadorster Straße bei Verkehrsführung, Radwegen und Parkraum gezielt angehen
2. Parken: attraktiv gestalten statt bestrafen
Parkplätze sind keine Relikte einer vergangenen Zeit. Sie sind notwendige Infrastruktur für eine Stadt, die Oberzentrum sein will. Solange der ÖPNV aus der Fläche in die Stadt nicht attraktiv genug ist, ist das Angebot an Parkraum direkt mit der Attraktivität Oldenburgs verknüpft.
- Keine weiteren Erhöhungen der Parkgebühren, solange der ÖPNV keine flächendeckende, verlässliche Alternative bietet
- Kein ideologisch motivierter Abbau von Stellplätzen in der Innenstadt und an zentralen Versorgungsbereichen
- Parkraummanagement statt Parkraumabbau: bessere Beschilderung, digitale Echtzeit-Informationen und einheitliche Bezahlsysteme
- Parken für Besucher aus dem Umland einfach, erschwinglich und gut ausgeschildert halten
- Anwohnerparkgebühren überprüfen und deutlich auf ein sozial verträgliches Niveau senken
3. Park & Ride neu denken – ein P+R-Ring für Oldenburg
Park & Ride ist in Oldenburg bisher ein Versprechen, das nicht eingelöst wurde. Die vorhandenen Anlagen sind zu wenig bekannt, zu wenig komfortabel und zu selten mit attraktiven ÖPNV-Verbindungen verknüpft. Das Potenzial ist jedoch erheblich.
- Entwicklung eines modernen P+R-Rings an den zentralen Einfahrtskorridoren der Stadt
- Komfortable, sichere Anlagen mit Echtzeitinformationen über freie Plätze
- Kombinierte Tickets mit ÖPNV-Weiterfahrt
- Direkte und häufig getaktete Shuttle- oder Busverbindungen in die Innenstadt
- Aktive Kommunikation, damit P+R auch in den Umlandgemeinden bekannt wird
4. Verkehr muss fließen – auch das ist Umweltpolitik
Stau ist nicht nur lästig. Stop-and-Go-Verkehr erhöht den Kraftstoffverbrauch und den CO₂-Ausstoß, verzögert Lieferverkehre, beeinträchtigt Rettungsdienste und senkt die Aufenthaltsqualität in angrenzenden Quartieren. Wer Klimaschutz im Verkehr ernst nimmt, muss dafür sorgen, dass der verbleibende Pkw-Verkehr so effizient wie möglich abgewickelt wird.
- Optimierung der Ampelschaltungen auf Basis aktueller Verkehrsdaten
- Konsequente Freihaltung der Hauptverkehrsachsen
- Regelmäßige Überprüfung aller Ampelschaltzeiten auf Effizienz
5. Pferdemarkt und Wallring – Vernunft vor Ideologie
Der Pferdemarkt ist heute einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Oldenburgs. Er funktioniert als Einfahrt in die Innenstadt, als Umstiegspunkt und als Verbindung mehrerer zentraler Achsen. Die bisher diskutierte Umgestaltung stellt BB-OL grundlegend in Frage.
- Der Pferdemarkt hat sich als Verkehrsknotenpunkt bewährt
- Eine ideologisch motivierte Umplanung, die seine Funktion gefährdet, lehnen wir ab
- Erfahrungen anderer Kommunen müssen berücksichtigt werden
- Der Wochenmarkt und die Innenstadt dürfen durch eine Umgestaltung nicht beeinträchtigt werden
- Zwingende Voraussetzung sind realistische Kosten, Abstimmung mit dem Neubau der Bahnbrücke und echte Bürgerbeteiligung
Auch beim Wallring sieht BB-OL Potenzial für Verbesserungen, aber keine Rechtfertigung für einen teuren Großumbau auf Kosten der Erreichbarkeit.
- Mehr Stadtbäume, breitere Grünstreifen und Aufenthaltsbereiche schrittweise und kosteneffizient umsetzen
- Keine Großumgestaltung, die das Budget überstrapaziert
- Begrünung und Aufwertung immer im Einklang mit der Erreichbarkeit der Innenstadt
- Kurzzeitparken ermöglichen, etwa über eine bürgerfreundliche „Brötchentaste“
6. Schluss mit den Dauerbaustellen – planen, koordinieren, abschließen
Oldenburg hat sich in den vergangenen Jahren den Ruf einer Stadt der Dauerbaustellen erarbeitet. Was als notwendige Infrastrukturinvestition beginnt, wird für Bürger, Pendler und Einzelhandel zum Dauerärgernis, weil Zeitpläne nicht eingehalten werden, Maßnahmen sich über Jahre hinziehen und Ausweichrouten gleichzeitig wegbrechen.
BB-OL fordert hier einen grundlegenden Kurswechsel.
- Realistische Zeitplanung von Anfang an
- Konsequentes Baustellenmanagement mit klaren Verantwortlichkeiten und öffentlich einsehbaren Fortschrittsberichten
- Koordination der Baustellen, damit Hauptstraße und Ausweichroute nicht gleichzeitig blockiert sind
- Qualifizierte Vergabe mit vertraglichen Konsequenzen bei Terminverzug
- Niedrigschwellige und digitale Bürgerinformation zu Baustellen, Umleitungen und Fertigstellungen
- Ein rollierender Mehrjahresplan für größere Baumaßnahmen im Stadtgebiet
7. ÖPNV: erst ausbauen, dann einschränken
Ein gut funktionierender öffentlicher Nahverkehr ist eine echte Bereicherung für Oldenburg. BB-OL unterstützt den Ausbau des ÖPNV ausdrücklich. Aber wir setzen die Reihenfolge richtig: Erst eine verlässliche, attraktive Alternative schaffen – dann über Einschränkungen des Pkw-Verkehrs reden.
- Kostenloses Fahren am Samstag als ersten Schritt
- Bessere Taktfrequenzen, insbesondere in Randzeiten, an Wochenenden und in den Stadtteilen
- Bessere Anbindung der Umlandgemeinden
- Klare Reihenfolge: erst Ausbau, dann mögliche Restriktionen
8. Nachhaltigkeit im Verkehr – pragmatisch und finanzierbar
Nachhaltige Verkehrspolitik bedeutet nicht, das Auto zu verteufeln. Sie bedeutet, Lösungen zu entwickeln, die für möglichst viele Menschen funktionieren und die wir uns leisten können.
- Fahrradinfrastruktur dort fördern, wo sie sinnvoll ist – mit Lückenschlüssen, besserer Beleuchtung und sicheren Abstellmöglichkeiten
- Elektromobilität unterstützen und Ladesäuleninfrastruktur ausbauen
- Alle Maßnahmen auf Wirksamkeit und Finanzierbarkeit prüfen
- Fördermittel von Land, Bund und EU konsequent abrufen
Zusammenfassung unserer Positionen
- Oldenburg als Oberzentrum erreichbar halten – für Einwohner und die gesamte Region
- Keine weiteren Parkgebührenerhöhungen ohne belastbaren ÖPNV-Ausbauplan
- Kein ideologisch motivierter Abbau von Innenstadt-Stellplätzen
- Park & Ride konsequent stärken
- Intelligente Verkehrssteuerung und regelmäßige Überprüfung der Ampelschaltzeiten
- Schluss mit Dauerbaustellen durch realistische Planung, Koordination und verbindliche Meilensteine
- ÖPNV ausbauen – aber zuerst Alternativen schaffen, dann einschränken
- Kostenfreies Fahren samstags als Einstieg
- Pferdemarkt nur mit belastbarer Kosten-Nutzen-Analyse und Bürgerbeteiligung
- Wallring mit Augenmaß aufwerten, nicht ideologisch umbauen
- Die Probleme an der Nadorster Straße gezielt angehen