Bürger Bündnis Oldenburg
Positionspapier: Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit
Kommunalwahl Oldenburg · 13. September 2026 · Stand: Juni 2026
Grün – mit Augenmaß
Das Bürger Bündnis Oldenburg nimmt Umwelt- und Klimaschutz ernst. Nicht als Lippenbekenntnis und nicht als politische Profilierungsfläche, sondern weil eine lebenswerte Stadt ohne intakte Natur, saubere Gewässer, ausreichend Grünflächen und eine kluge Klimaanpassung nicht denkbar ist. Gleichzeitig ist BB-OL eine Wählervereinigung, die sachlich denkt und rechnet. Umweltpolitik, die an der Realität der kommunalen Finanzen vorbeigeht, ist keine Politik, sondern Wunschdenken.
BB-OL steht deshalb für einen pragmatischen Grünanspruch: Wir wollen das Richtige tun, aber wir wollen es auch wirklich umsetzen können.
Oldenburg verfügt über ein natürliches Erbe, das viele Städte dieser Größe nicht haben: eine Seen- und Wasserlandschaft mitten im Stadtgebiet, ausgedehnte Grünzüge, den Fluss Hunte und eine Verbindung zur Landschaft des Nordwestens. Diese Qualitäten sind kein Selbstläufer. Sie müssen gepflegt, entwickelt und gegen den Druck der Stadtentwicklung verteidigt werden.
1. Oldenburgs grünes Kapital – Seen, Grünflächen und Stadtbäume
Wer in Oldenburg aufwächst, kennt die Seen. Der Bornhorster See, kleinere Wasserflächen im Stadtgebiet, der Flötenteich und der Tweelbäker See gehören ebenso dazu wie Schlossgarten und Eversten Holz. Diese Orte sind keine Randerscheinung im Stadtbild. Sie sind das grüne Herz Oldenburgs: Erholungsflächen, Biotope, Klimapuffer und Identifikationsorte zugleich.
Das Bürger Bündnis Oldenburg setzt sich für den konsequenten Schutz und die sorgfältige Weiterentwicklung dieser Flächen ein.
- Schutz bestehender Seenlandschaften vor Bebauung und Übernutzung
- Pflege und naturnahe Gestaltung der Uferzonen zur Stärkung von Biodiversität und Aufenthaltsqualität
- Erhalt und Erweiterung des städtischen Baumbestands
- Konsequenter Schutz vor Versiegelung und vollwertige Kompensation neuer Eingriffe
Grünflächen, Parks und Stadtnatur sind keine Luxusgüter. In Zeiten zunehmender Sommerhitze sind sie unentbehrliche Infrastruktur. BB-OL wird sich jedem Vorhaben widersetzen, das städtisches Grün ohne zwingenden Grund und ohne vollwertige Kompensation opfert.
2. Hitzeinseln, Starkregen und Klimaanpassung
Der Klimawandel ist in Oldenburg bereits angekommen. Heiße Sommer mit Temperaturspitzen über 35 Grad belasten insbesondere ältere Menschen, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen. In dicht bebauten Innenstadtbereichen entstehen Hitzeinseln, gleichzeitig nehmen Extremwetterereignisse und Starkregen zu.
Klimaanpassung ist deshalb keine Zukunftsaufgabe, sondern eine dringende Gegenwartsaufgabe. BB-OL unterstützt konkrete Maßnahmen, die ohne großen ideologischen Aufwand, aber mit spürbarem Effekt umgesetzt werden können.
- Begrünung von Dächern und Fassaden fördern, wo dies baulich und finanziell möglich ist
- Entsiegelung von Flächen, wo immer dies vertretbar ist
- Bäume in Straßenzügen, auf Plätzen und in Gewerbegebieten pflanzen
- Regenwassermanagement mit Versickerungsmulden, Regenbeeten und Rückhaltesystemen verbessern
- Trinkwasserbrunnen und Schattenplätze im öffentlichen Raum ausbauen
Diese Maßnahmen sind ökologisch sinnvoll, steigern die Aufenthaltsqualität und schützen die städtische Infrastruktur vor teuren Schäden. Klimaanpassung ist damit auch eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Stadt.
3. Der Klimaschutzplan 2035 – Anspruch und Wirklichkeit
Oldenburg hat einen Klimaschutzplan 2035 verabschiedet, der über 90 Einzelprojekte umfasst. Das ist ambitioniert und grundsätzlich richtig. Viele Ziele wurden jedoch bereits 2019 formuliert, während der Fortschritt bei der Umsetzung hinter dem Anspruch zurückbleibt.
BB-OL fordert deshalb eine ehrliche, öffentlich nachvollziehbare Evaluierung des Plans: Welche Projekte wurden umgesetzt? Welche sind gescheitert? Welche Ziele sind unter den aktuellen Haushaltsbedingungen noch realistisch erreichbar?
Wir nehmen den Klimaschutzplan ernst – gerade deshalb fordern wir Realismus. Ein Plan, der viele Projekte listet, von denen ein großer Teil nicht finanzierbar oder organisatorisch nicht umsetzbar ist, nützt dem Klima nicht. BB-OL steht für eine angepasste, priorisierte Version des Klimaschutzplans: weniger Projekte, dafür realistisch finanziert, termingebunden und mit klarer Verantwortlichkeit.
Verkehr: E-Mobilität, ÖPNV und Radwege
Ein zentrales Handlungsfeld des Klimaschutzplans ist der Verkehr. Oldenburg ist flach, kompakt und verfügt über ein gewachsenes Radwegenetz. Gleichzeitig können E-Mobilität und ein besserer ÖPNV die Klimaziele nur dann unterstützen, wenn die entsprechende Infrastruktur tatsächlich vorhanden ist und von den Menschen als attraktive Alternative wahrgenommen wird.
BB-OL unterstützt den Ausbau der Radwegeinfrastruktur dort, wo er sinnvoll und verträglich mit dem übrigen Verkehr ist – ohne ideologischen Furor, aber mit pragmatischem Ziel. Lückenschlüsse, bessere Beleuchtung und sichere Abstellmöglichkeiten sind vergleichsweise kostengünstige Maßnahmen mit hoher Wirkung. Beim ÖPNV setzen wir auf enge Zusammenarbeit mit dem VBN und dem Land Niedersachsen, da die wesentlichen Stellschrauben nicht allein bei der Stadt liegen.
Stadtautobahn und Brücken als Klimachance
In den nächsten fünf bis zehn Jahren steht Oldenburg vor einer wegweisenden Entscheidung: Die Stadtautobahn und zahlreiche Brückenbauwerke müssen grundlegend saniert oder erneuert werden. Das ist nicht nur Herausforderung, sondern auch Chance. Wer eine Brücke ohnehin neu baut, kann sie von Anfang an klimagerecht gestalten – mit Grünauflagen, Wasserablaufsystemen, Radspuren und ästhetischen Qualitäten.
BB-OL fordert, dass diese Sanierungen nicht als reine Instandhaltungsmaßnahmen behandelt werden, sondern als stadtentwicklungspolitische Weichenstellungen. Was finanzierbar und tatsächlich möglich ist, muss ehrlich beantwortet werden. Die Chancen, die sich daraus ergeben, dürfen aber nicht ungenutzt bleiben.
4. Pferdemarkt, Wallring und Innenstadtgrün
Die Diskussion um die Umgestaltung des Pferdemarkts und des Wallrings berührt unmittelbar Fragen des Stadtklimas und der Grüngestaltung. BB-OL ist nicht gegen Veränderung, aber gegen Veränderung um der Veränderung willen. Der Pferdemarkt hat sich als Verkehrsknotenpunkt bewährt. Eine Umgestaltung, die den Kfz-Verkehr leistungsfähig hält und gleichzeitig mehr Grün, Aufenthaltsqualität und Klimaresilienz schafft, wäre ein echter Gewinn.
Abgelehnt werden ideologisch motivierte Umplanungen, die Erfahrungen anderer Kommunen ignorieren und die Funktion des Pferdemarkts als Stadteingang und Verkehrsknoten gefährden. Gefordert werden eine realistische Kostendarstellung, eine Abstimmung mit dem Neubau der Bahnbrücke und eine öffentliche Debatte, bevor Beschlüsse gefasst werden.
Auch beim Wallring sehen wir Potenzial – aber nur mit Augenmaß. Mehr Stadtbäume, breitere Grünstreifen und einladendere Aufenthaltsbereiche sind sinnvolle Ziele, die schrittweise und kosteneffizient angegangen werden können. Was wir nicht wollen, ist eine kostspielige Großumgestaltung, die das Budget überstrapaziert und die Funktion des Wallrings als wichtige Erschließungsachse beeinträchtigt.
Ein zentraler Punkt wird in dieser Debatte oft übersehen: Oldenburg ist Oberzentrum. Hunderttausende Menschen aus der Region kommen regelmäßig in die Stadt – zum Arzt, zum Einkaufen, zum Konzert, zum Wochenmarkt. Viele davon mit dem Auto, weil der ÖPNV aus der Fläche in die Stadt noch nicht attraktiv genug ist.
BB-OL bekennt sich deshalb klar dazu: Parkplätze in und um die Innenstadt müssen erhalten bleiben. Gleichzeitig sehen wir beim Park-and-Ride-Angebot erhebliches Potenzial. Gut ausgestattete P+R-Anlagen an den Einfahrtspunkten der Stadt, verbunden mit einem häufig getakteten Shuttle- oder Busangebot, könnten Suchverkehr, Emissionen und Belastungen der Innenstadt deutlich reduzieren. Gefordert wird ein konkretes, finanziertes Konzept für einen modernen P+R-Ring rund um Oldenburg.
5. Finanzierbarkeit als Maßstab – kein Widerspruch zum Umweltschutz
BB-OL nimmt Umweltschutz ernst – und deshalb auch die Frage der Finanzierbarkeit. Beides gehört zusammen. Eine Klimapolitik, die mehr Geld verspricht als vorhanden ist, schafft weder Vertrauen noch Ergebnisse. Oldenburg hat im Haushaltsjahr 2026 ein strukturelles Defizit von knapp 90 Millionen Euro. Für die Jahre bis 2029 werden dreistellige Fehlbeträge prognostiziert.
In dieser Lage muss jede Ausgabe auf ihren Nutzen und ihre Finanzierbarkeit geprüft werden. Das bedeutet nicht, nichts zu tun. Es bedeutet, klug zu priorisieren: Maßnahmen mit hoher Wirkung und vertretbaren Kosten haben Vorrang. Projekte, die teuer sind, lange dauern und ihren Nutzen erst in Jahrzehnten entfalten, müssen gegen andere dringende Bedarfe abgewogen werden.
Förderprogramme von Land, Bund und EU müssen dabei konsequent genutzt werden – von Bundesfördermitteln für energetische Sanierungen über Landesprogramme für Klimaanpassung bis hin zu EU-Töpfen für nachhaltige Stadtentwicklung. Hier hat Oldenburg in der Vergangenheit Potenzial verschenkt. BB-OL wird dafür sorgen, dass verfügbare Fördermittel systematisch identifiziert und abgerufen werden.
Zusammenfassung unserer Positionen
- Seen, Grünflächen und Stadtbäume schützen, pflegen und behutsam erweitern
- Klimaanpassung als Infrastrukturaufgabe begreifen: Entsiegelung, Begrünung und Wassermanagement
- Den Klimaschutzplan 2035 ehrlich evaluieren und auf realistische, priorisierte Projekte anpassen
- Radinfrastruktur sinnvoll ausbauen und ÖPNV gemeinsam mit Land und VBN stärken
- Sanierung von Stadtautobahn und Brücken als Chance für klimagerechte Stadtentwicklung nutzen
- Keine Umgestaltung des Pferdemarkts ohne belastbare Kosten-Nutzen-Analyse und Bürgerbeteiligung
- Wallring schrittweise und kosteneffizient begrünen – ohne Großumbau auf Kosten der Erreichbarkeit
- Parkplätze in der Innenstadt erhalten und Park-and-Ride konsequent stärken
- Fördermittel von Land, Bund und EU systematisch abrufen
- Finanzierbarkeit als Maßstab: Wer gute Umweltpolitik will, muss solide haushalten